Geldanlage & Börse
Thesaurierender Fonds
Definition
Ein thesaurierender Fonds legt Erträge wie Dividenden und Zinsen automatisch im Fondsvermögen wieder an, statt sie an Anleger auszuschütten. Der Wert der Anteile steigt dadurch schneller - ideal, um den Zinseszinseffekt ohne eigenes Zutun zu nutzen.
Auch bekannt als: thesaurierend, Thesaurierung, thesaurierende Fonds, thesaurierende ETFs
Was Thesaurierung bedeutet
"Thesaurieren" heißt wörtlich "aufbewahren": Erwirtschaftet der Fonds Dividenden oder Zinsen, werden sie nicht ausgezahlt, sondern sofort wieder investiert. Für dich als Anleger passiert scheinbar nichts - kein Geldeingang, keine Buchung. Tatsächlich passiert das Wichtigste im langfristigen Vermögensaufbau: Die Erträge beginnen selbst, Erträge zu erwirtschaften. Der Zinseszinseffekt läuft vollautomatisch, ohne dass du Ausschüttungen manuell (und mit möglichen Gebühren) wieder anlegen musst.
Das Gegenstück ist der ausschüttende Fonds, der Erträge regelmäßig aufs Verrechnungskonto zahlt - gleiche Anlage, anderer Umgang mit den Erträgen.
Ein Praxisbeispiel
Zwei ETFs auf denselben Weltindex, je 20.000 € investiert, 2 % Ausschüttungsniveau, 5 % Kursentwicklung pro Jahr. Der thesaurierende ETF wächst mit effektiv 7 % - nach 25 Jahren rund 108.500 €. Beim ausschüttenden ETF landen die 2 % jährlich auf dem Konto; wird das Geld dort verkonsumiert oder vergessen, wächst nur der Kursanteil - nach 25 Jahren stehen etwa 67.700 € im Depot (plus die über die Jahre erhaltenen, aber nicht reinvestierten Ausschüttungen). Der Unterschied ist keine Zauberei, sondern konsequent genutzter Zinseszins.
Typische Fehler und Missverständnisse
- "Thesaurierend heißt steuerfrei bis zum Verkauf": Nicht ganz - seit 2018 greift die Vorabpauschale, eine kleine jährliche Vorab-Besteuerung, die später beim Verkauf angerechnet wird.
- Ausschüttungen als Extra-Rendite sehen: Ausschüttend und thesaurierend haben vor Steuern dieselbe Gesamtrendite - der Unterschied liegt allein darin, was mit den Erträgen passiert.
- Falscher Fonds fürs Ziel: Wer laufendes Einkommen will (z. B. im Ruhestand), fährt mit ausschüttenden Fonds oder einem Entnahmeplan besser; wer aufbaut, mit Thesaurierern.
- Sparerpauschbetrag verschenken: Reine Thesaurierer nutzen den jährlichen Freibetrag nur über die kleine Vorabpauschale - je nach Situation kann eine ausschüttende Variante den Freibetrag besser ausschöpfen.
Wichtige Hinweise
- Erkennbar ist die Ertragsverwendung im Factsheet ("Acc"/"C" für thesaurierend, "Dist"/"D" für ausschüttend).
- Die steuerliche Behandlung (Vorabpauschale, Teilfreistellung) kann sich ändern - bei großen Summen aktuelle Regeln prüfen.
Passende Rechner
Verwandte Begriffe
Ausschüttender Fonds
Ein Fonds, der Dividenden und Zinsen regelmäßig an die Anleger auszahlt.
Begriff verstehen →ETF
Börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Index wie dem MSCI World nachbildet.
Begriff verstehen →Zinseszins
Der Effekt, durch den bereits gutgeschriebene Zinsen selbst wieder Zinsen erwirtschaften.
Begriff verstehen →Vorabpauschale
Die jährliche Mindestbesteuerung thesaurierender Fonds - klein, automatisch, später angerechnet.
Begriff verstehen →