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Grundlagen

Zinseszins

Definition

Zinseszins bezeichnet Zinsen, die auf bereits gutgeschriebene Zinsen gezahlt werden. Weil Erträge dem Kapital zugeschlagen und mitverzinst werden, wächst ein Vermögen über lange Zeiträume nicht linear, sondern exponentiell.

Auch bekannt als: Zinseszinseffekt, Zinseszinsen

Wie der Zinseszins funktioniert

Bei einfacher Verzinsung erhältst du jedes Jahr Zinsen nur auf dein ursprünglich eingezahltes Kapital. Beim Zinseszins werden die Zinsen dagegen dem Kapital gutgeschrieben und im Folgejahr mitverzinst - du verdienst Zinsen auf deine Zinsen. Dieser Mechanismus wirkt wie ein Schneeball: Am Anfang kaum sichtbar, gewinnt er mit jedem Jahr an Kraft.

Ein Beispiel: 10.000 € bei 5 % Zins bringen im ersten Jahr 500 €. Im zweiten Jahr werden aber bereits 10.500 € verzinst - der Zuwachs steigt auf 525 €. Nach 20 Jahren sind aus den 10.000 € rund 26.500 € geworden, obwohl nie zusätzliches Geld eingezahlt wurde.

Die Zinseszinsformel

Für eine einmalige Anlage lautet die klassische Formel:

K = K₀ × (1 + p)ⁿ

Dabei ist K₀ das Startkapital, p der Zinssatz pro Periode (z. B. 0,05 für 5 %) und n die Anzahl der Perioden. Kommt eine regelmäßige Sparrate hinzu, startet jede Einzahlung ihre eigene "Zinsuhr" - die Entwicklung lässt sich dann am einfachsten monatsweise simulieren, so wie es der Zinseszinsrechner tut.

Warum Zeit wichtiger ist als die Sparrate

Der Zinseszinseffekt entfaltet seine Wirkung vor allem über lange Zeiträume. In den ersten Jahren stammt der Großteil des Vermögenszuwachses aus den eigenen Einzahlungen; erst nach etwa zehn Jahren tragen die Erträge selbst spürbar zum Wachstum bei. Daraus folgt eine der wichtigsten Regeln des Vermögensaufbaus: Früh anzufangen zählt mehr, als später mit höheren Beträgen aufzuholen.

Wer mit 25 Jahren beginnt, monatlich 100 € bei 6 % Rendite anzulegen, hat mit 65 mehr Kapital als jemand, der mit 40 Jahren mit 200 € pro Monat startet - obwohl der Spätstarter insgesamt mehr einzahlt.

Die Kehrseite: Zinseszins bei Schulden und Kosten

Der gleiche Mechanismus wirkt auch gegen dich. Bei Krediten wachsen unbezahlte Zinsen dem Schuldenberg zu und werden selbst verzinst - deshalb sind Dispokredite mit hohen Zinssätzen so gefährlich. Auch laufende Kosten einer Geldanlage, etwa die Gesamtkostenquote eines Fonds, wirken über den Zinseszinseffekt: Jedes Jahr Kosten bedeutet nicht nur den verlorenen Betrag selbst, sondern auch alle Erträge, die dieser Betrag künftig erwirtschaftet hätte.

Wichtige Hinweise

  • Der Zinseszinseffekt setzt voraus, dass Erträge tatsächlich reinvestiert werden - ausgezahlte Zinsen oder Ausschüttungen wachsen nicht mit.
  • Bei schwankenden Anlagen wie ETFs gibt es keinen festen Zinssatz; der Effekt wirkt dort über die durchschnittliche jährliche Rendite, die Jahr für Jahr unterschiedlich ausfällt.
  • Die Inflation mindert die reale Kaufkraft des Endkapitals - nominales Wachstum ist nicht dasselbe wie realer Vermögenszuwachs.

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