Immobilien
Beleihungsauslauf
Definition
Der Beleihungsauslauf ist das Verhältnis der Darlehenssumme zum Beleihungswert einer Immobilie, angegeben in Prozent. Je niedriger der Auslauf - also je mehr Eigenkapital -, desto günstiger der Zinssatz der Baufinanzierung.
Auch bekannt als: Beleihungsquote, Loan-to-Value, LTV, Beleihungswert
Wie Banken das Risiko einer Finanzierung messen
Für die Bank ist jede Baufinanzierung eine Wette auf zwei Sicherheiten: dein Einkommen und die Immobilie. Der Beleihungsauslauf misst die zweite:
Beleihungsauslauf = Darlehenssumme ÷ Beleihungswert × 100
Der Beleihungswert ist dabei nicht der Kaufpreis, sondern der von der Bank vorsichtig angesetzte, dauerhaft erzielbare Wert - meist Kaufpreis minus Sicherheitsabschlag von etwa 10 %. Muss die Bank im Ernstfall verwerten, will sie auch bei gefallenen Preisen ihr Geld wiedersehen. Je niedriger der Auslauf, desto geringer ihr Risiko - und desto besser dein Zinssatz. Typische Konditionsstufen liegen bei 60 %, 80 % und 100 % Auslauf.
Ein Praxisbeispiel
Kaufpreis 400.000 €, Beleihungswert 360.000 €. Mit 140.000 € Eigenkapital (Darlehen 260.000 €) liegt der Auslauf bei 72 % - Zinssatz z. B. 3,6 %. Mit nur 40.000 € Eigenkapital (Darlehen 360.000 €) sind es 100 % - Zinssatz z. B. 4,3 %. Der Unterschied von 0,7 Prozentpunkten kostet beim größeren Darlehen über eine 15-jährige Zinsbindung zehntausende Euro. Besonders wertvoll ist Eigenkapital genau an den Schwellen: Wer mit ein paar tausend Euro mehr unter 80 % rutscht, springt in eine ganze Konditionsklasse.
Typische Fehler und Missverständnisse
- Mit dem Kaufpreis rechnen: Banken rechnen mit dem (niedrigeren) Beleihungswert - der tatsächliche Auslauf ist höher, als die eigene Kaufpreis-Rechnung suggeriert.
- Knapp über einer Schwelle finanzieren: 82 % statt 80 % Auslauf kann unnötig teuer sein - prüfen, ob etwas mehr Eigenkapital oder ein minimal kleineres Darlehen die Schwelle knackt.
- Nachrangige Bausteine vergessen: KfW-Darlehen oder Arbeitgeberdarlehen verändern die Struktur - wie die Bank sie im Auslauf anrechnet, gehört ins Beratungsgespräch.
- Auslauf nur beim Kauf denken: Auch bei der Anschlussfinanzierung zählt der dann aktuelle Auslauf - gesunkene Restschuld und gestiegener Immobilienwert verbessern die Konditionen.
Wichtige Hinweise
- Jede Bank ermittelt den Beleihungswert etwas anders - dieselbe Finanzierung kann bei zwei Banken verschiedene Ausläufe (und Zinsen) ergeben.
- Der Immobilienfinanzierungsrechner zeigt, wie Eigenkapital die Rate verändert - die Konditionsstufen des Auslaufs kommen im Bankvergleich obendrauf.
Verwandte Begriffe
Eigenkapital
Das eigene Geld in einer Finanzierung - je mehr, desto günstiger der Kredit.
Begriff verstehen →Baufinanzierung
Der langfristige Kredit für Kauf oder Bau einer Immobilie - meist als Annuitätendarlehen.
Begriff verstehen →Sollzins
Der reine Zinssatz eines Kredits - ohne Nebenkosten, im Unterschied zum Effektivzins.
Begriff verstehen →Grundschuld
Das Pfandrecht der Bank an der Immobilie - die Standard-Sicherheit jeder Baufinanzierung.
Begriff verstehen →