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Kredite & Finanzierung

Dispokredit

Definition

Der Dispokredit ist eine von der Bank eingeräumte Überziehungsmöglichkeit auf dem Girokonto. Er ist jederzeit ohne Antrag nutzbar, aber mit typischerweise 8 bis 12 % Zinsen eine der teuersten Kreditformen - gedacht für kurze Engpässe, nicht für Dauerfinanzierung.

Auch bekannt als: Dispo, Überziehungskredit, Dispozinsen

Bequem per Design - teuer per Design

Der Dispokredit ist der bequemste Kredit Deutschlands: kein Antrag, keine Unterlagen, keine feste Rate - das Konto rutscht einfach ins Minus, bis zum eingeräumten Limit (meist zwei bis drei Monatsgehälter). Genau diese Bequemlichkeit ist das Geschäftsmodell: Mit typischerweise 8-12 % gehören Dispozinsen zu den höchsten Zinssätzen, die Privatkunden regulär zahlen - berechnet tagesgenau auf den überzogenen Betrag.

Als Puffer für wenige Tage - etwa wenn die Miete vor dem Gehalt abgebucht wird - ist der Dispo unproblematisch und günstiger als Mahnungen oder geplatzte Lastschriften. Zum Problem wird er als Dauerzustand.

Ein Praxisbeispiel

Ein Konto steht dauerhaft 3.000 € im Minus, Dispozins 11 %: Das kostet 330 € Zinsen pro Jahr - fürs Nichtstun. Nach drei Jahren sind über 1.000 € nur an Zinsen geflossen, ohne dass sich am Minus etwas geändert hat. Zum Vergleich: Ein Ratenkredit über 3.000 € zu 7 % mit 24 Monaten Laufzeit kostet insgesamt rund 220 € Zinsen - und ist danach weg. Die Umschuldung des Dauer-Dispos in einen Ratenkredit mit fester Tilgung ist fast immer der richtige erste Schritt.

Typische Fehler und Missverständnisse

  • Den Dispo als Teil des Budgets sehen: Das Dispolimit ist kein Guthaben - wer sein "verfügbares Geld" inklusive Dispo denkt, lebt strukturell über seinen Verhältnissen.
  • Nur die Zinsen zahlen, nie tilgen: Der Dispo hat keinen Tilgungsplan - ohne bewussten Rückführungsplan bleibt das Minus ewig.
  • Geduldete Überziehung unterschätzen: Jenseits des Dispolimits wird es mit Überziehungszinsen noch teurer - und die Bank kann Zahlungen ablehnen.
  • Dispo statt Notgroschen: Der Dispo ist der teuerste Notfallfonds der Welt - drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeld machen ihn überflüssig.

Wichtige Hinweise

  • Dispozinsen sind variabel und folgen dem Zinsniveau - die Bank muss den Satz gut sichtbar ausweisen.
  • Raus aus dem Dauer-Dispo in drei Schritten: Kassensturz und Budget, Umschuldung in einen Ratenkredit, parallel Notgroschen aufbauen, damit es nicht wieder passiert.

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