Geldanlage & Börse
Ausgabeaufschlag
Definition
Der Ausgabeaufschlag (Agio) ist eine einmalige Gebühr beim Kauf klassischer Investmentfonds über den Vertrieb - üblich sind 3 bis 5 % der Anlagesumme. Er dient vor allem der Vertriebsprovision und lässt sich durch ETFs oder Direktbanken meist vollständig vermeiden.
Auch bekannt als: Agio, Ausgabeaufschläge
Wie der Ausgabeaufschlag wirkt
Klassische Investmentfonds werden traditionell über Banken und Berater verkauft - und dieser Vertrieb will bezahlt sein. Das erledigt der Ausgabeaufschlag: Beim Kauf wird auf den Anteilswert ein Aufschlag von typischerweise 3-5 % erhoben, der größtenteils als Provision an den Vermittler fließt. Die Folge: Dein Investment startet im Minus.
Konkret: Bei 5 % Ausgabeaufschlag und 10.000 € Anlagesumme fließen nur rund 9.524 € in Fondsanteile - 476 € sind sofort weg. Der Fonds muss erst einmal 5 % Rendite erwirtschaften, bevor du bei null stehst.
Ein Praxisbeispiel
Ein Sparer zeichnet auf Empfehlung seiner Filialbank einen Aktienfonds: 15.000 € Einmalanlage, 5 % Ausgabeaufschlag, 1,8 % TER. Alternative: ein ETF auf einen vergleichbaren Index, 0 € Aufschlag, 0,2 % TER. Nach 20 Jahren bei 7 % Marktrendite: Der Fonds (effektiv 5,2 % nach laufenden Kosten, Start mit 14.250 €) erreicht rund 39.300 € - der ETF etwa 56.100 €. Der Startabzug ist dabei das kleinere Übel; die laufenden Kosten wiegen über die Jahre schwerer. Beides zusammen kostet fast 17.000 €.
Typische Fehler und Missverständnisse
- "Die Beratung war doch kostenlos": Sie war es nicht - der Ausgabeaufschlag ist ihr Preis. Provisionsvertrieb ist Verkauf, keine neutrale Beratung.
- Rabatte nicht nutzen: Direktbanken und Fondsvermittler verkaufen dieselben Fonds oft mit 50-100 % Rabatt auf den Aufschlag - wer den aktiven Fonds wirklich will, muss den Listenpreis nicht zahlen.
- Aufschlag mit laufenden Kosten verwechseln: Der Ausgabeaufschlag fällt einmalig an, die TER jedes Jahr - für die Langfristbilanz beide betrachten.
- Bei Sparplänen übersehen: Bei provisionsbasierten Fondssparplänen zahlt jede einzelne Rate den Aufschlag mit - Monat für Monat.
Wichtige Hinweise
- ETFs haben konstruktionsbedingt keinen Ausgabeaufschlag - beim Börsenkauf fallen nur Ordergebühren und Spread an.
- Im Verkaufsprospekt steht der maximale Aufschlag; tatsächlich gezahlte Aufschläge sind verhandelbar bzw. anbieterabhängig.
Verwandte Begriffe
Investmentfonds
Ein gemeinsamer Anlagetopf vieler Anleger, der von einer Fondsgesellschaft verwaltet wird.
Begriff verstehen →TER (Gesamtkostenquote)
Die jährlichen laufenden Kosten eines Fonds in Prozent des Fondsvermögens.
Begriff verstehen →Ordergebühren
Die Kosten, die Broker und Börse pro Wertpapierkauf oder -verkauf berechnen.
Begriff verstehen →ETF
Börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung eines Index wie dem MSCI World nachbildet.
Begriff verstehen →