Geldanlage & Börse
Anleihe
Definition
Eine Anleihe ist ein handelbares Wertpapier, mit dem sich Staaten oder Unternehmen Geld leihen. Der Käufer erhält regelmäßige Zinsen (Kupon) und am Laufzeitende den Nennwert zurück - sofern der Herausgeber zahlungsfähig bleibt.
Auch bekannt als: Anleihen, Staatsanleihe, Unternehmensanleihe, Rentenpapier, Bond
Wie eine Anleihe funktioniert
Mit einer Anleihe wirst du zum Kreditgeber: Ein Staat oder Unternehmen leiht sich Geld am Kapitalmarkt und verspricht dafür regelmäßige Zinszahlungen - den Kupon - sowie die Rückzahlung des Nennwerts am Laufzeitende. Anders als ein Bankkredit ist die Anleihe in kleine Stücke zerlegt und börsentäglich handelbar: Du musst nicht bis zum Ende warten, sondern kannst jederzeit zum aktuellen Kurs verkaufen.
Die Sicherheit hängt an der Bonität des Herausgebers: Deutsche Staatsanleihen gelten als extrem ausfallsicher und rentieren entsprechend niedrig; Unternehmensanleihen zahlen mehr - als Entschädigung für das höhere Ausfallrisiko. Ratingagenturen stufen diese Kreditwürdigkeit von AAA bis hinunter zu Ramschniveau ein.
Ein Praxisbeispiel
Du kaufst eine Anleihe mit 1.000 € Nennwert, 3 % Kupon und 5 Jahren Laufzeit. Jährlich erhältst du 30 € Zinsen, nach 5 Jahren die 1.000 € zurück - planbar wie Festgeld, aber handelbar. Der Haken: Steigen die Marktzinsen zwischenzeitlich auf 4 %, will niemand deine 3-%-Anleihe zum vollen Preis - ihr Kurs fällt (z. B. auf 96 %). Hältst du bis zum Ende, ist das egal; verkaufst du vorher, realisierst du den Kursverlust. Diese Zins-Kurs-Mechanik ist das zentrale Risiko auch "sicherer" Anleihen.
Typische Fehler und Missverständnisse
- "Anleihen können nicht fallen": Doch - bei steigenden Zinsen fallen Anleihekurse, je länger die Restlaufzeit, desto stärker. Das haben Anleger im Zinsanstieg 2022 schmerzhaft erlebt.
- Hohe Kupons ohne Blick aufs Risiko: Ein auffällig hoher Zins ist immer ein Risikosignal - der Markt verschenkt nichts (siehe magisches Dreieck).
- Kupon mit Rendite verwechseln: Wer eine Anleihe über oder unter dem Nennwert kauft, hat eine andere effektive Rendite als den Kupon - entscheidend ist die Rendite bis Fälligkeit.
Wichtige Hinweise
- Im Depot dienen Anleihen guter Bonität vor allem als Stabilisator neben Aktien - sie dämpfen die Schwankungen des Gesamtportfolios.
- Für Privatanleger sind breit gestreute Anleihe-ETFs meist praktischer als einzelne Anleihen (kleine Stückelung, automatische Streuung).
- Zinserträge und Kursgewinne unterliegen der Abgeltungsteuer.
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Verwandte Begriffe
Zins
Der Preis für geliehenes Geld - als Ertrag beim Sparen, als Kosten beim Kredit.
Begriff verstehen →Aktie
Ein Anteil an einem Unternehmen - mit Beteiligung an Gewinn und Wertentwicklung.
Begriff verstehen →Diversifikation
Die Streuung des Vermögens über viele Anlagen, um das Risiko einzelner Ausfälle zu senken.
Begriff verstehen →Bonität
Die Kreditwürdigkeit einer Person - sie entscheidet über Kreditvergabe und Zinshöhe.
Begriff verstehen →Anlageklasse
Eine Gruppe ähnlicher Anlagen mit vergleichbarem Risiko-Rendite-Profil, z. B. Aktien oder Anleihen.
Begriff verstehen →