Kapital-Online

Geldanlage & Börse

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Definition

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie. Es zeigt, mit dem Wievielfachen des Jahresgewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet wird - eine erste Einordnung, ob eine Aktie eher teuer oder günstig erscheint.

Auch bekannt als: KGV

Was das KGV aussagt

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis beantwortet eine intuitive Frage: Wie viele Jahresgewinne kostet dieses Unternehmen? Die Formel:

KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie

Kostet eine Aktie 60 € und verdient das Unternehmen 4 € je Aktie im Jahr, liegt das KGV bei 15 - der Markt zahlt das 15-Fache des Jahresgewinns. Grobe Einordnung: Reife, langsam wachsende Unternehmen notieren oft bei KGV 8-15, Wachstumsunternehmen bei 25 und weit darüber, weil der Markt künftige, höhere Gewinne vorwegnimmt. Ein hohes KGV heißt also nicht automatisch "überteuert", sondern zunächst: Der Markt erwartet Wachstum.

Ein Praxisbeispiel

Zwei Autohersteller: Konzern A kostet 80 € je Aktie bei 10 € Gewinn (KGV 8), Konzern B 120 € bei 6 € Gewinn (KGV 20). Ist A der bessere Kauf? Nicht zwingend - vielleicht schrumpft As Geschäft, während B in Zukunftstechnik investiert und seine Gewinne verdoppeln dürfte. Das KGV ist eine Momentaufnahme auf Basis heutiger (oder geschätzter) Gewinne; die Investmententscheidung braucht den Blick auf Geschäftsmodell, Verschuldung und Perspektive. Sinnvoll ist der Vergleich vor allem innerhalb einer Branche und mit der eigenen Historie des Unternehmens.

Typische Fehler und Missverständnisse

  • Niedriges KGV = Schnäppchen: Oft ist ein niedriges KGV berechtigt (schrumpfende Gewinne, hohe Risiken) - die "Value-Falle" schnappt zu, wenn billig einfach nur schlecht ist.
  • Branchen quervergleichen: Software und Stahl haben strukturell verschiedene KGV-Niveaus - Quervergleiche führen in die Irre.
  • Verlustjahre übersehen: Bei Verlusten ist das KGV nicht definiert oder verzerrt; einzelne Sondereffekte können den Gewinn und damit die Kennzahl massiv verfälschen.
  • Eine Kennzahl überfrachten: Profis nutzen das KGV als einen Baustein unter vielen - als Einzelkriterium für Käufe ist es ungeeignet.

Wichtige Hinweise

  • Es gibt das KGV auf Basis vergangener Gewinne ("trailing") und geschätzter künftiger Gewinne ("forward") - beim Vergleich auf dieselbe Basis achten.
  • Für breit gestreute ETF-Anleger ist das KGV einzelner Aktien nachrangig - dort zählt die Marktbewertung insgesamt.

← Alle Begriffe im Finanzlexikon